Innenentwicklung Oberstetten

Idee zündet: Oberstetten hat reichlich Entwicklungspotentialbauen wohnen

Dringender Appell: Mitmachen! Fragebogen sammelt auch Ideen

 

Inge Braune:

Oberstetten. Im Rahmen einer öffentlichen Ortschaftsratssitzung im Oktober vergangenen Jahres hatte Cornelia Pfeuffer das Projekt „Innenentwicklung“ vorgestellt. Die bei der Klärle GmbH in Schäftersheim tätige staatlich geprüfte Bautechnikerin hat bereits etliche Innenentwicklungsprojekte begleitet. Jetzt stellte sie im Rahmen einer sehr gut besuchten Bürgerversammlung die Ergebnisse der noch im Oktober angelaufenen Untersuchung vor.

 Annähernd 70 Personen hatten sich im Gemeindesaal eingefunden, um zu erfahren, was bei das Innenentwicklungs-Fachteam im Rahmen der diversen Ortsbegehungstermine entdeckt hatten.

Der Befund überrascht wenig: Wie allenthalben im ländlichen Raum fransen Neubauten den Außenbereich regelrecht aus, während im alten Ortskern der Verfall Einzug hält. Zum Teil ist das dem demographischen und wirtschaftlichen Wandel geschuldet: Junge Menschen wandern ab, ziehen dahin, wo es Ausbildungs- und Arbeitsplätze gibt. In einst überwiegend von der Landwirtschaft lebenden Ortschaften stehen viele Gebäude: Wohnhaus, Altensitz, Scheunen, Stallungen. Genutzt wird davon nur noch wenig: Wo sich Viehhaltung im kleinen Stil kaum noch lohnt, stehen Ställe leer, wo keine Mutterwiesen mehr gebraucht werden, verkommen Scheunen leicht zu vor sich hindämmernden Gerümpelkammern. Oft sind es nur noch Einzelpersonen und ältere, die in den alten Anwesen im Ortskern wohnen. Die Folge der Entwicklung: Ortskerne sterben. Wo aber der Kern stirbt, fällt bald auch die Rinde.

Es ist schon absurd, wenn man die Schaubildlinien sieht: Kontinuierlich steigt da die Linie, die den Flächenverbrauch für Siedlungs- und Verkehrsflächen seit 1960 markiert. Die zweite Linie steht für die Einwohnerzahlen, und die steigt trotz Zuwanderung und Wiedervereinigung nur sehr zögernd. Viermal schneller als die Einwohnerzahlen steigt der Flächenverbrauch, für den zu fast 50 Prozent Wohnbauflächen verantwortlich sind. gemischte Bauflächen sind für etwa ein Viertel des Flächen-Raubbaus verantwortlich, gewerbliche Bauflächen für rund 20 Prozent. Regelrecht grassierend erfolgt der Land-Raubbau da, wo im schnitt die Bevölkerungsdichte am geringsten ist: auf dem Land. Klar: Platz hat man ja, so dass manche Ortschaft in knapp 180 Jahren um 180 Prozent ausdehnte.

Wenn man umsteuern will, sich gegen wildes Zubetonieren und für lebenswerte Ortschaften entscheidet, die wieder so anziehend und lebenswert sind, dass sich auch junge Familien für einen Hauptwohnsitz auf dem Dorf entscheiden, ist eine gezielte Wende unabdingbar, wie Cornelia Pfeuffer anschaulich darstellte.

Ziel muss es sein, dass im Gegensatz zur aktuell noch üblichen Dorfentwicklung „Innenentwicklung die Regel und Aussendentwicklung die Ausnahme“ wird, so die Bautechnikerin. Mit dem Flächennutzungplan für die Außenbereichsplanung und dem Bebauungsplan für einzelne Grundstücke verfügen die Kommunen über zumindest grundsätzlich geeignete Werkzeuge, die ein Umsteuern einleiten können.

Die erfolgte Bestandserhebung im Oberstettener Projektgebiet macht die Bausubstanzverteilung deutlich sichtbar: Im alten Ortskern häufen sich rot und orange eingefärbte Bereiche. Sie stellen Gebäude dar, die baufällig und von der Substanz her mangelhaft sind. Auch Gebäudeleerstände häufen sich hier und Häuser, bei denen sich in den nächsten ein bis zwei Jahrzehnten Leerstand ankündigt, weil die letzten Bewohner das Rentenalter längst erreicht haben. Die Häufung der aktuell leer stehenden und künftig aller Wahrscheinlichkeit nach leer fallenden Gebäude  erschreckt.

Rund 1,34 Hektar innerörtlicher Freiflächen gibt es, die regelrecht nach lebendiger Nutzung lechzen. Ob Leerstand oder Freifläche: Manches könnte mit Abriss, Umbau oder Neubau sinnvoll als Gemeinschaftseinrichtung, zur Grundversorgung der Ortsansässigen oder auch durch gewerbliche Nutzung revitalisiert werden. 

Um zielgerichtet an die Zukunftsplanung gehen zu können, sind die Planer auf die Mitarbeit der Bevölkerung angewiesen: Bürgermeister Rüdiger Zibold warb engagiert dafür, dass möglichst alle Einwohner den Fragebogen ausfüllen, der für die Detailanalyse zun Vorschlagsentwicklung gebraucht wird. Bis zum 14. März werden die Bögen bei der Stadt- oder Ortschaftsverwaltung gesammelt. Bürgermeister Zibold hofft wie Oberstettens Ortsvorsteher Günter Jakob darauf, dass möglichst viele Bürger den Fragebogen nutzen, um auch eigene Nutzungs- und Gestaltungsideen einzubringen – und auch dazu, vorhandene Defizite aufzuzeigen. 

Zum Bürgerservice, der im Amtshaus in Oberstetten eingerichtet werden soll, findet voraussichtlich im April eine Informationsveranstaltung statt. Auch hier heißt es: Beteiligung dringend erwünscht.

Der Ort muss sich ranhalten: bereits im September sollen die Ergebnisse des Konzepts vorgestellt werden. Für die, die sich ans Werk machen wollen, stehen derzeit die Zeichen günstig: Für in Konzept passende Wohnungsmodernisierungen, Umnutzung zu Wohnzwecken oder ortsbildgerechte Baulückenschließungen gibt es Fördergelder aus dem Entwicklungsprogramm Ländlicher Raum. Auch Bauherren, die Gewerbebrachen reaktivieren wollen, über eine gewerbliche Neuansiedlung oder Betriebserweiterung nachdenken, können hier auf finanzielle Unterstützung hoffen.

Nach der Veranstaltung, bei der Cornelia Pfeuffer auch etliche gelungene Modernisierungs- und Umnutzungsbeispiele präsentierte, debattierten etliche Teilnehmer engagiert in kleine Gruppen weiter. Gesamteindruck: Nicht nur die Potentialkarte, sondern auch das Ideenpotential im Ort deutet auf mannigfaltige Entwicklungschancen.

 

Info:

Wer mehr wissen will, kann sich mit der Stadtverwaltung Niederstetten, der Ortschaftsverwaltung Oberstetten oder auch direkt mit dem Planungsteam der Klärle – Gesellschaft für Landmanagement und Umwelt in Schäftersheim in Verbindung setzen. 

 

Bilder(©klärle-gmbh):

Annähernd 70 Bürger aus Oberstetten wollten ganz genau wissen, wie sich die Fachleute der Schäftersheimer Klärle GmbH die Ortsentwicklung durch Flächengewinnung im Innenbereich  vorstellen.

 

BM Zibold

Engagiert warb Niederstettens Bürgermeister Rüdiger Zibold fürs Mittun. Einen besseren Zeitpunkt für Neuplanungen dürfte es auf lange Sicht kaum noch geben, denn im September können wieder ELR-Förderanträge gestellt werden. 

ibra/2014-II-28
Ansprechpartner Stadt Niederstetten