22. Okt. 2013

Innenentwicklung Oberstetten - Bestand analysieren, Zukunft gestalten: Flächengewinnung als Motor für Entwicklung der Ortschaft

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Innenentwicklung Oberstetten

Oberstetten „Wer in Sachen Umnutzung etwas plant in Oberstetten, hat jetzt eine einmalige Chance“, warb Cornelia Pfeuffer in der öffentlichen Ortschaftsratssitzung. Die Bautechnikerin ist bei der Klärle-Gesellschaft für Landmanagement und Umwelt zuständig für das Oberstettener Projekt „Flächen gewinnen durch Innenentwicklung.“

 

Vor rund einem Jahrzehnt hatte Oberstetten bereits eine ähnliche Bestandserhebung durchführen lassen. Dennoch haben sich die Probleme teilweise verschärft, wie Ortsvorsteher Günter Jakob berichtet. Probleme gebe es insbesondere in den um Kirchweg und Berggasse gelegenen Quartieren. Manch abbruchreifes Haus stört das Bild.

Es gilt, Interessenten für Neubebauungen zu finden – angesichts verschachtelter Eigentumsverhältnisse kaum umsetzbar ohne Ankäufe durch die Stadt, die Neuordnungen ermöglichen, so die Einschätzung des Ortsvorstehers.

Etwa ein Jahr lang wird das Schäftersheimer Ingenieurbüro in Oberstetten aktiv sein. Das Büro hatte bereits den im April eingereichten Antrag zur Aufnahme in des Programm vorbereitet, den das Ministerium für Verkehr und Infrastruktur im Juli genehmigte.

Wie alten Bäumen ergehe es vielen Orten, erläuterte Cornelia Pfeuffer: Da im ländlichen Raum Flächen in der Regel günstig zu erwerben sind, wachsen neue Baugebiete um den Kern der Ansiedlung herum, während in der Mitte Verfall einsetzen kann. Damit verliert die eigentliche Visitenkarte der Ortschaft ihren Charme und Abwanderung droht. Probates Gegenmittel ist eine auf guter Planung beruhende Neubelebung von innen.

Bereits in der kommenden Woche wird das Büro mit der Bestandserhebung beginnen. Dabei werden Mitarbeiter des Büros das Plangebiet begehen, Häuser zunächst einmal von außen begutachten und Grundstücke abgehen. Schon in den nächsten Wochen werden die Oberstettener mit Infomaterial und Fragebögen zur Flächengewinnung durch Innenentwicklung versorgt werden. Abgefragt wird dabei zunächst, was die Eigentümer planen: Sind Renovierungen oder Umbauten geplant, sind Abbrüche denkbar, kann man sich vorstellen, freie Flächen für sich, für Familienmitglieder oder auch für Neubürger nutzbar zu machen? Ob An- oder Verkaufsinteresse besteht, wollen die Untersucher wissen - und mit der Frage, welche Einrichtungen in der Ortschaft unzureichend sind oder ganz fehlen, sind sie auf der Suche nach Vorschlägen, die den Ort zukunftsfit machen können.

Innenentwicklung - Plan Oberstetten

Das Untersuchungsgebiet umfasst fast den kompletten Altort. Besondere Aufmerksamkeit soll dem quartier Berggasse-Kirchweg gewidmet werden.

Pfeuffer und der Ortschaftsrat hoffen auf intensive Beteiligung der Bevölkerung an der Fragebogen-Erhebung, die die Grundlage für die genauere Untersuchung ist. Die liefert dann für diejenigen Eigentümer, die Veränderungen planen, bereits Grundriss-Planungen im Maßstab 1 : 200. „Es ist eine einmalige Chance, derartige Planungen kostenlos zu bekommen,“ so Cornelia Pfeuffer. Für alle, die in absehbarer Zeit bauliche Veränderungen anstreben, sei „der richtige Zeitpunkt: Jetzt.“ Die Untersuchung liefert die Basis für die Förderung von Einzelmaßnahmen – und das kann sich rechnen.

Im Rahmen einer Bürgerversammlung wird das Ingenieurbüro die Bestandsanalyse vorstellen, die die Gebäudesubstanz nach dem Ampelprinzip bewertet, vorhandene und sich entwickelnde Leerstände aufzeigt und die Ergebnisse bereits mit landwirtschaftlicher Nutzung sowie den Belangen der Denkmals- und Landschaftspflege abgleicht.

Für das Ingenieurbüro beginnt dann die zweite Arbeitsphase: Anhand der Analyse werden mögliche Maßnahmen erarbeitet, die voraussichtlich im September 2014 in einer zweiten Bürgerversammlung präsentiert präsentiert werden. Dann dürfte mancher darüber staunen, welche Möglichkeiten in Flächen stecken, auf denen jetzt noch abbruchreife Häuser stehen.

Einen weiteren Baustein zur Belebung der Ortschaft soll der Bürgerservice im Amtshaus liefern: Informationsveranstaltung, Workshop und zwei Arbeitskreise sind angedacht, in denen die Einwohner an die Gestaltung der Zukunft Oberstettens gehen werden. Was aktuell noch ziemlich hölzern klingt, soll ein wichtiges Instrument der Entwicklung einer lebens- und liebenswerten Ortschaft werden. Im Bürgerservice können sich beispielsweise Angebot und Nachfrage für Einkaufsservice, Fahrgemeinschaften, Kinderbetreuung oder sonstige gegenseitige Hilfestellungen finden.

Innenentwicklung - Besucher

Ein Dutzend Oberstettener Bürger verfolgte interessiert die Ausführungen von Cornelia Pfeuffer. Ziel ist die Belebung des Ortskerns durch clevere Innenentwicklung.

Weit über die Ortschaftsgrenze hinaus reichen soll der kommunale Immobilienpool, den die Kommune für die Gesamtfläche Niederstettens anstrebt. In diesem Pool, in dem Oberstetten den Anfang macht, sollen längerfristig Verkaufswillige aus ganz Niederstetten ihre Anwesen potentiell Kaufwilligen vorstellen können - natürlich auf freiwilliger Basis, wie Cornelia Pfeuffer versichert.

Ein wenig, so hat es den Anschein, befürchtet man in Oberstetten Gängelei durch allzu fertige Einzeichnung theoretischer Möglichkeiten in den Ergebniskarten. „Es sind nur Vorschläge, Ideen, Anregungen“, stellte Cornelia Pfeuffer klar. Eine auf einer Karte entwickelte Freifläche sei schließlich keineswegs ein Abrissgebot – und gleiches gelte auch für Vorschläge zu neuen Grenzverläufen.

Dem Ortschaftsrat und der Kommune ist eins vor allem wichtig: Dass Bürger kreativ Ideen entwickeln, die Oberstetten eine lebenswerte Zukunft ermöglichen.

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Bilder und Text (©IngeBraune)

Info:

  • Baden-Württemberg will der Zersiedelung Einhalt gebieten und fördert deshalb die Aktivierung innerörtlicher Flächenpotentiale.
  • Für Oberstetten läuft jetzt das Förderprogramm „Flächen gewinnen durch Innenentwicklung“ an: Bereits in der kommenden Woche beginnt das Ingenieurbüro Klärle mit der Untersuchung.
  • Das Schäftersheimer Ingenieurbüro gehört zu den Vorreitern der Innenentwicklung: Vor 10 Jahren betreute das Büro die Creglinger Ortschaft Münster, die als Modellgemeinde unter Beweis stellte, dass Flächeneinsparung Entwicklungsmotor sein kann.
  • Die Untersuchung, die bis September 2014 Maßnahmenvorschläge entwickeln wird, kostet 33.000 Euro. Die Hälfte der Kosten steuert das Land bei.

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Bürgerinformation über das Förderprogramm

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Gelesen 2534 mal Letzte Änderung am 12. Apr. 2016