18. Nov. 2013

Ärger um Rehofsteige: Gesperrt und doch befahren

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Rehhofsteige Rehhofsteige

Unvernunft scheint stur gegen Appelle, Kontrolle und Knöllchen

Schon seit Jahren beschäftigt die „Alte Rehofsteige" immer wieder Stadtverwaltung und Gemeinderat. Die Straße ist gesperrt, erlaubt ist die Durchfahrt ist nur für den landwirtschaftlichen Verkehr und Anlieger. Unterhalb des gesperrten Abschnitts liegt der Niederstettener Kindergarten, oberhalb das Gewerbegebiet Hohe Buche, westlich schließt sich das Wohngebiet Am Alten Berg an, östlich das Wohngebiet Sperrlohe. Kinder nutzen den Weg als Schul- und Kindergartenweg, Erwachsene schleppen Einkaufstaschen den Berg hinauf, gehen spazieren. Die Strecke ist idyllisch – wäre da nicht der illegale Verkehr.

 

 

Die Alte Rehhofsteige ist ein idyllischer Feldweg – und für manch unverbesserlichen Autofahrer trotz klarer Verbotsschilder eine beliebte Abkürzung. Das sorgt für Ärger.

Im Gewerbegebiet sind in dem runden Dutzend dort angesiedelter Betriebe knapp 500 Mitarbeiter beschäftigt. Die meisten erreichen ihren Arbeitsplatz im privaten PKW – und einige nutzten dafür unverbesserlich nicht den offiziellen Weg über die Hohenlohestraße, sondern den gesperrten Schleichweg über die alte Rehhofsteige und die Feldweg-Fortsetzung der Wilhelm-Hachtel-Straße. Das ruft immer wieder einzelne Bürger auf den Plan, die sich über zu laxen Umgang mit dem Problem beschweren.

Rüdiger Zibold kann den Vorwurf nicht nachvollziehen: Die Schriftwechsel zum Thema haben sich seit 2005 schon zum stattlichen Packen gestapelt. Auf die wiederholte Beschwerde überwiegend eines Anwohners antwortete die Stadtverwaltung, sandte entsprechende Information an die im Gewerbegebiet „Hohe Buche" ansässigen Betriebe, die wiederum den Eingang quittierten und entsprechende Aushänge bestätigten. Auch beim Polizeiposten in Weikersheim dürfte der Papierstapel schon einige Mächtigkeit haben, denn im Gefolge jeder der Beschwerden suchte Niederstettens Bürgermeister bei den Ordnungshütern um verstärkte Kontrollen nach. In regelmäßiger Wiederholung finden sich im Amtsblatt Bekanntmachungen zur Sperrung des Streckenabschnitts, Appelle an die Vernunft, Ankündigungen von Polizeikontrollen.

Um das Problem zu beheben, hatte man sogar bereits einen Poller errichtet, der aber nicht lange heil blieb: „Wenn man mit einem großen Agrargerät an so einem Poller entlangschrappt, muss der Fahrer das nicht einmal selbst bemerken." Und den Landwirten, die auf der Höhe Felder haben, könne man den Zugang schließlich nicht verwehren.

BM Zibold

Der Schriftwechsel in Sachen Rehofsteige ist ausgedehnt. Auf Anwohnerbeschwerden hin habe man immer wieder die Firmen im Gewerbegebiet Hohe Buche um Kooperation und den Polizeiposten in Weikersheim um verstärkte Kontrollen gebeten. Appelle im Amtsblatt zeigten immer nur kurz Wirkung, berichtet Bürgermeistr rüdiger Zibold.

Einen Tag vor der letzten Sitzung vor der Sommerpause hatte sich der in Beschwerdeführer erneut einem offenen Brief über die Situation beklagt – für die Verwaltung zu kurzfristig, um das Thema noch auf die Tagesordnung zu setzen. Aber es wurde ein Gespräch vereinbart, das Ende Juli stattfand. Noch am gleichen Tag gingen erneut nicht nur Schreiben an die Firmen und den Weikersheimer Polizeiposten heraus, sondern es wurde auch ein Geschwindigkeitsmessgerät im Sperrbereich aufgestellt, das die Anzahl der Fahrzeuge und das jeweilige Tempo protokolliert.

Die Kontrolle lief vom 31. Juli bis zum 16. August rund um die Uhr. Zunächst erfolgte volle acht Tage die Kontrolle des Bergauf-Verkehrs, anschließend ebenso lange die Kontrolle des Abfahrtsverkehrs.

Das Ergebnis: Während der Messungen nutzten mit 273 protokollierten Fahrzeugen mehr Fahrer die illegale Abkürzung talwärts, die Steige hinauf fuhren während der achttätigen Messzeit 231 Fahrzeuge. Damit waren während der Messzeit im Schnitt knapp 35 Fahrzeuge täglich abwärts, weniger als 30 aufwärts auf der Strecke unterwegs – überwiegend in moderatem Tempo.

Rund fünf Prozent der Fahrzeuge fuhren schneller als 45 Stundenkilometer, ein satter Prozentsatz von über annähernd 90 Prozent bewegte sich im Tempobereich von 16 bis 45 Stundenkilometern fort, bei gut sechs Prozent der Verkehrsteilnehmer ist aufgrund des Schneckentempos von höchstens 15 Stundenkilometern wohl sicher davon auszugehen, dass es sich um landwirtschaftliche Fahrzeuge gehandelt hat.

Zielgebeit Hohe Buche

Im Gewerbegebiet „Hohe Buche" haben sich bislang elf Betriebe mit annähernd 500 Mitarbeitern angesiedelt. Einzelne Mitarbeiter nutzen zum Ärger von Anwohnern anscheinend den gesperrten Streckenabschnitt der Rehofsteige immer noch als Abkürzung.

„Was soll ich noch machen?" Rüdiger Zibold ist ratlos. ‚Seit Ende Oktober ist ein Niederstettener Bürger neu im Dienst der Stadt. Als Beauftragter des polizeilichen Vollzugsdienstes überwacht er einstweilen den ruhenden Verkehr und versorgt Falschparker mit „Knöllchen". Künftig könnte er eine Zusatzaufgabe bekommen und auch häufiger im gesperrten Abschnitt der Rehofsteige die Augen aufhalten.

Abgesehen davon bleibt dem Bürgermeister auch weiter nur der Appell an die Vernunft – oder der Einsatz von an Bewegungsmelder gekoppelten Kameras. Dass jedoch Anwohner und Datenschützer derartige „Big Brother"-Praktiken zu schätzen wüssten, darf bezweifelt werden.

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Bilder und Text (©IngeBraune)
Gelesen 2241 mal Letzte Änderung am 12. Apr. 2016