23. Jun. 2014

40 Jahre Vorbachtaler Musikanten

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40 Jahre Vorbachtaler Musikanten

Begeisternder Abend mit dem Sinfonischen Jugendblasorchester Baden-Württemberg

Vorbildliche Jugendarbeit der „Vorbachtaler“ schafft Synergieeffekte


Niederstetten. Seit vier Jahrzehnten gehören die „Vorbachtaler Musikanten“ zur Region. So ein Jubiläum muss gebührend gefeiert werden – und mit der Einladung ans Sinfonische Jugendblasorchester Baden-Württemberg in die Frickentalhalle haben die Vorbachtaler nicht nur sich selbst, sondern auch Musikfreunden aus dem weiten Umkreis eine riesige 300 Besucher folgten der Einladung – und waren begeistert.

Erstmals gastierte das Sinfonische Jugendblasorchester Baden-Württemberg im Vorbachstädtchen – auch dank der guten Beziehungen der Vorbachtaler Musikanten und der Musikschule Hohenlohe zur jungen Bläserelite: Mit recht stolz ist man darauf, dass mit dem Niederstettener Alexander Schmid (Bassposaune) und dem aus Igersheim stammenden Florian Wallny  (Trompete) gleich zwei junge Musiker aus der Region der hochkarätigen Formation angehören.

Über 40 Jugendliche zwischen 14 und 21 Jahren gehören dem 1983 gegründeten Orchester an. Aus dem gesamten Bundesland reisen sie für die Arbeitsphasen – jüngst fand eine in Ochsenfurt statt – an. Viele von ihnen wurden bereits mit ersten Preisen beim Musikwettbewerb „Jugend musiziert“ ausgezeichnet – und das hört man: Die musikalische Qualität der von Felix Hauswirth geleiteten Gruppe ist enorm. Kein Wunder also, dass das Orchester in aller Welt – demnächst in Brasilien - auftritt, internationale Auszeichnungen einheimst und unter anderem durch seine hochkarätigen CD-Einspielungen die Aufmerksamkeit zeitgenössischer Komponisten auf sich zog. Ein echter „musikalischer Leckerbissen“, so Niederstettens Bürgermeister Rüdiger Zibold bei seiner Begrüßung.

Auch sie haben klein angefangen – so wie die erst im vergangenen Jahr gegründete und von den Vorbachtaler Musikanten  und dem Musikverein Schrozberg unterstützte Bläserklasse des Bildungszentrums Niederstetten und der Schule in Schrozberg, die Zibold bereits im vergangenen September erstmals bei einer Probe belauschte. Bei manchem fragt man sich, wie um alles in der Welt er oder sie es schaffen kann, das Instrument, oft ebenso groß sein wie sie selbst, nicht nur zu schleppen, sondern auch noch zu spielen.

Unter der Stabführung von Musikschulleiter Martin Förster eröffneten sie mit Gospelklang und „Old MacDonald“, Beethovens „Ode an die Freude“  und „Hard Rock Blues“ den Konzuertabend in der Frickentalhalle. Besser lässt sich kaum umsetzen, was den „Vorbachtaler Musikanten“ am Herzen liegt: Sie wollen, so berichtet die Vorsitzende Susanne Martens, Kindern die Möglichkeit zum Sammeln erster Erfahrungen mit einem Blasinstrument geben und es Jugendlichen  ermöglichen, Orchestererfahrung zu sammeln und nachhaltig Spaß am gemeinsamen Musizieren zu bekommen.

Dass das Anliegen funktioniert, bewies im Anschluss das Sinfonische Jugendblasorchester Musikschule Hohenlohe und Vorbachtaler Musikanten. Mit Carter Burwells „Twilight Overtüre“ und Bellas Lullaby“, Saucedos „Dreamsong“ – am Piano glänzte der 14-jährige Tobias Raab mit einem Solopart“ zeigte das Orchester schon eine große Bandbreite. Eine Gesangssolistin zu begleiten, stellt andere Herausforderungen – und auch die meisterte das Ensemble mühelos. Sehr gelungen präsentierte die 17-jährige Sarah Jahrmann den Musical-Hit „Ich gehör nur mir“. Erstaunlich, wie sie den Sissi-Song aus dem Kunze/Levay-Musical „Elisabeth“ umsetzte: Souverän bewältigte sie stimm- und ausdrucksstark den Part gleich zweimal, denn der Applaus fordedrte nach Sparkes „A Klezmer Karnival“ klar eine Zugabe.

Dann, nach der Pause, das Sinfonische Jugendblasorchester Baden-Württemberg: Klangoffenbarung bereits der „Feierliche Einzug der Ritter des Johanniterordens“ (Richard Strauss) in der kleinen Blechbläserbesetzung: ein hochkarätiger Blasmusik-Traum, dem dann in größerer, durch Holzbläser und Querflöte dominierter Besetzung der vom selben Komponisten stammende anmutige und hoch romantische Gang „Auf stillem Waldespfad“ folgte. In Komplettbesetzung Ansermest „Deuxième Marche Militaire“ – heiter, fast tänzelnd.

Eine echte Offenbarung in Sachen Bläsermusik: „Le Premier Jour“ von Jean Balissat. Die Liebe des 2007 verstorbenen Schweizer Komponisten für Perkussionsinstrumente gestaltet den Schöpfungstag in überwältigender Tonmalerei: Da grollen aus der Erdentiefe Vulkane, da tanzen Sonnen und Planeten eine Sphärenmusik. Posaune und Trompete begleiten den Schöpfungsakt, ehe Flöten und hauchfeine Xylophonklänge das Schöpfungslicht in Wassertropfen tanzen lassen. Schlicht unglaublich, wie dieses Junge Orchester diese liebevoll-liebestolle, gewalttätig-gewaltige, moosweiche und eruptive Schöpfungsgeschichte umsetzt.

Brandender Applaus von rund 300 Händepaaren, der sich bei Milhauds „Suite Francaise und der faszinierenden Umsetzung von Oliver Waespis „Berglicht“ kaum noch steigern lässt. Mit stehender Ovation erzwingt das Publikum trotz des nahenden Fußballabends noch eine Zugabe, die mit heiter-tänzelnden K.u.K.-Klängen in die kürzeste Nacht des Jahres entlässt.

Die „Vorbachtaler Musikanten“ hatten mit ihrer Ankündigung, dass an diesem Abend „jugendlicher Musikzauber“ zu erwarten sei, wirklich nicht zu viel gesagt – eher schon viel zu wenig. Musikbegeisterte sollten sich schon jetzt den 25. Oktober im Kalender Markieren: Da laden die „Vorbachtaler Musikanten“ zum Jubiläumskonzert in die Alte Turnhalle Niederstetten ein.

Text & Bilder: ©IngeBraune

Gelesen 2788 mal Letzte Änderung am 23. Feb. 2016