09. Sep. 2014

"Enten-Treffen“ besonderer Art

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"Enten-Treffen“ besonderer Art: Speed Canard zu Gast

Piloten aus dem Norden mussten Teilname witterungsbedingt absagen

Niederstetten. Also irgendwie denkt man sich eine flugfähige Propellermaschine anders. Eher so: Propeller vorn, Pilot gern dito dorten, die Flügel grade, das Leitwerk hinten und unterm Rumpf für Start und Landung Räder – OK, notfalls auch Wasserski. Die „Speed Canard“ jedoch ist einfach anders.

Ihr Rotor sitzt am Heck, der Bug trägt vorn ein Querteil, die dito recht weit hinten angebrachten Flügel sind – Papierfliegerbastler, aufgemerkt – nach oben abgeknickt.  Das hintere Radpaar ist nicht einfahrbar und deshalb aerodynamisch verkleidet. Ist die „Speed Canard“ erst einmal – und das geht ruckzuck - in der Luft, erinnern die hängenden Klumpfüßchen entfernt ans Bild des Entenflugs. Der Entwicklung der Stuttgarter Firma „Gyroflug Ingenieur GmbH“ - 1978 eigens für die geplante Konstruktion gegründet – brachte das den liebevollen Spitznamen „Ente“ ein.

Wie fliegt denn so etwas? „Na, einfach toll!“ Thomas Moor, begeisterter Pilot des Knickflüglers, schätzt bei seiner 160 PS-Maschine die geniale Rundumsicht. Gut 1000 Kilometer weit kommt er mit Passagier und einer Tankfüllung. Die fasst 160 Liter – nicht schlecht, so ein Verhältnis von Spritverbrauch und Reichweite, zumal bei Temporaten bis 365 Stundenkilometern, von denen erdgebundenere Spritmobilisten kaum zu träumen wagen.

Weltweit gibt’s nur rund 50 flugfähige Exemplare - was eine ganze Menge ist, denn es wurden seit der ersten Musterzulassung, die sich grade zum 31. Mal jährt, insgesamt nur runde 60 Stück gebaut – und keine zwei davon sind gleich.

„Alles Einzelanfertigungen“, weiß Felix Zikeli. Er dürfte mit seinen 22 Lebensjahren wohl weltweit der jüngste Speed Canard-Pilot sein. Nein, das feine Gerätchen gehöre ihm nicht selbst: Eigner ist der seit Jahren von der Speed Canard begeisterte Vater, der sich jedoch fürs Niederstettener „Ententreffen“ der besonderen Art die Zeit nicht nehmen mochte. Glück für Georgia Scholz, die auf diese Weise die Chance der Mitfluggelegenheit nach Niederstetten nutzen konnte.

Der Erstflug des Prototyps erfolgte Ende 1980 in Baden-Baden, die Musterzulassung drei Jahre später. 12 Monate danach übernahm Justus Dornier die Gyroflug, die 1988 nach Mengen umzog und seit 1990 als „FFT – Gesellschaft für Flugzeug- und Faserverbund-Technologie mbH“ firmiert. Firmierte, um genau zu sein: Erneut zum Jahresende zwei Jahre später ging die FFT in Konkurs.

Die Story ist halt kurz: Das passt zu den Flugzeugmaßen mit nur gut fünf Metern Länge und einer Spannweite von knapp acht Metern. Für die Erfinder ist die Story ziemlich traurig: Idee genial, Outfit gewöhnungsbedürftig, Nachfrage mager. Die heutigen Besitzer und Piloten freut das sehr: Sie fliegen Raritäten. Das verbindet. Pech, dass der Wettergott den Gyro-Piloten aus dem Norden mit Gewitterfronten einen Strich durch die Planung machte: Nur aus dem Süden kamen Knickflügler zum auf diese Weise eher klein geratenen Flugententreffen auf dem Zivilflugplatz in Niederstetten.

Dem Flugvergnügen tat’s bei denen, die kommen konnten, keinen Abbruch. Nur eine Handvoll Speed Canards traf ein. Macht nix: Es lässt sich doch im kleinen Kennerkreis am besten Fliegerlatein parlieren. Nein, Fliegergarn wurde garantiert keins gesponnen; viel zu gefährlich wäre das – man könnte sich, die Speed Canard  ist mit ihren rund 700 Kilogramm ein Leichtgewicht - ja darin verfangen.

 

Gelesen 2481 mal Letzte Änderung am 23. Feb. 2016