27. Feb. 2015

„Vielen Dank für die Töne“

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Homepage Die „black box“ in der Alten Schule Niederstetten hat einen neuen Mitbewohner. Mit der Seriennummer 24229 eines der letzten im Jahr 1934 gebauten Instrumente, weitgereist, nicht mehr ganz rüstig aber ungemein musikalisch. Das Klavier aus dem Hause Steingraeber & Söhne bereichert seit wenigen Wochen das Kulturzentrum in der Langen Gasse und wird ab dem 04. März bei dem Theaterstück DREI MAL LEBEN bereits eine zentrale Rolle spielen.

Insgesamt waren vier starke Männer notwendig um, unter Stöhnen, das schwarze Schmuckstück zu dessen bis dato letzter Reise zu verhelfen. Angefangen hat alles 1934 in den Werken der traditionsreichen, heute in 6. Generation bestehenden Fa. Steingraeber & Söhne in Bayreuth. Eben erst erbaut konnte das Klavier noch nicht ahnen welche Laufbahn es nehmen würde. Mit der ersten Station war die Richtung allerdings vorgegeben: Es sollte ein Theaterklavier werden. Kein geringeres Haus, als die Münchner Kammerspiele erwarben das Instrument mit den kleinen Hämmerchen. Dort diente es über die Kriegsjahre hinweg und über das Theater Würzburg folgte es schließlich der Schauspielerin Brigitte Obermeyer an das kleine und feine Theater Sommerhausen im Unterfränkischen. Dort war es bis vor Kurzem treuer Tongeber und wäre es wohl auch geblieben, wenn das Theater nicht gezwungen wäre sich neue Räumlichkeiten zu suchen und so das Klavier gegen Selbstabholung abgab. Der Weg in die Vorbachmetropole war letztlich ein kurzer. Aus den guten Verbindungen zum Theater Sommerhausen und dem Wunsch der Theatergruppe bei ihren Aufführungen von DREI MAL LEBEN im März mit Livemusik zu arbeiten wurde schließlich die vorerst letzte Reise des Tasteninstruments. Hermann Josef Beyer, der als erster die neuen alten Tasten in Niederstetten drücken darf ist vom Charme des Klaviers angetan, gibt aber auch zu bedenken, dass einiges im Argen liegt. Zwei Hämmerchen schlagen nicht an, hier und da fehlt etwas Lack, das Instrument ist verstimmt und die Wirbel an denen die Seiten aufgespannt sind, sind schon etwas angerostet. „Zur Not spiele ich eben direkt auf den Seiten“ scherzt Beyer. Zu den Aufführungen Anfang März soll das Klavier fit gemacht gemacht werden, zumindest für diesen Kurzeinsatz. Zudem will die Theatertruppe einen Teil ihrer Einnahmen dazu verwenden das Schmuckstück von einem Fachmann begutachten zu lassen um die Wirtschaftlichkeit einer Generalüberholung prüfen zu lassen. Eine Reparatur ist vermutlich von Nöten. Wie hoch die Kosten sein werden, ob und wie diese finanziert werden können ist im Moment allerdings völlig unklar. Klar ist nur eins. Nachgestimmt, mit viel Charisma und durch das Können des versierten Pianisten Beyer soll zur Premiere von DREI MAL LEBEN auch das Klavier seine Premiere in Niederstetten feiern. Und was wird als erstes auf dem neuen alten Klavier gegeben. Der Regisseur des erfolgreichen Kammertheaterstücks aus Frankreich, Florian Brand hat da schon eine Idee. Ein Klassiker. „Vielen Dank für die Blumen“ vom erst kürzlich verstorbenen Udo Jürgens komponiert und als Titelmusik der Kultcomicserie „Tom und Jerry“ berühmt geworden passt nicht nur hervorragend zum Stück sondern auch ausgezeichnet zum etwas in die Jahre gekommenen Niederstettener Neubürger. 

Übrigens „Tom und Jerry“ sind vor wenigen Tagen 75 Jahre alt geworden. Die Zeichentrickserie läuft in Wiederholungen heute noch. Ansporn genug für unser 80jähriges Klavier auch noch ein bisschen zu laufen.

Wer Klavier und Stück erleben möchte hat dazu am 04. 06. 07. 08. und 13. März ab 19.30 Uhr in der ALTEN SCHULE Niederstetten Lange Gasse 32 die Möglichkeit. Reservierungen unter mediothek@... oder telefonisch unter 07932 / ...

Gelesen 2293 mal Letzte Änderung am 12. Apr. 2016