21. Apr. 2015

50-jähriges Jubiläum der Grundsteinlegung für St. Johannes

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Weihbischof Thomas Maria Renz  (Mitte) zelebrierte das feierliche Hochamt. Weihbischof Thomas Maria Renz (Mitte) zelebrierte das feierliche Hochamt. ibra

Katholische Kirche Niederstetten
50-jähriges Jubiläum der Grundsteinlegung für St. Johannes
Gut besuchter Festgottesdienst mit Weihbischof Thomas Maria Renz   

 

Niederstetten Vor 50 Jahren legten Mitglieder der katholischen Kirchengemeinde Niederstetten den Grundstein für ihre Pfarrkirche St. Johannes Evangelist. Mit einem von Weihbischof Thomas Maria Renz geleiteten Festgottesdienst und anschließendem Empfang im Gemeindehaus feierte die Gemeinde am Sonntag das Jubiläum.

Pfarrer Burkhard Keck freute sich, zum Pontifikalamt mit Bürgermeister Rüdiger Zibold, Gemeinderäten und Ortsvorstehern sowie Abgesandten von Vereinen und Verbänden auch Vertreter der bürgerlichen Gemeinde begrüßen zu können. Wie wichtig das Dach überm Kopf sei, sei wohl jedem bewusst, so Keck, der Kirchengebäude als „Dach über der Seele“ bezeichnete. Sehr dankbar sei man, so ergänzte  Weihbischof Thomas Maria Renz, denen, die vor fünf Jahrzehnten den Grundstein für das Glaubensgebäude legten. Sie schufen einen Raum, in dem Menschen zusammenkommen, um sich gegenseitig Halt zu geben im Glauben.

Zwar gehört die Kirche, blickt man auf die Geschichte des Christentums zurück, mit ihren gerade einmal fünfzig Jahren zur jüngsten Generation. Doch für die Gemeinde, so Renz auch mit Blick auf die Kinder, die am Gottdesdienst teilnahmen, gelte wohl, was auch für einzelne Menschen gelte: Die seien mit 50 schon gestandene Leute, die mitten im Leben stehen, bereits viel erlebt und schon einiges in ihrem Leben erreicht haben.

Mitten im Leben zu stehen, mit in den Begegnungen miteinander und mit dem Auferstandenen gewonnener Standfestigkeit im Glauben, das wünscht er auch der Niederstettener Johannes-Gemeinde. Dass die Kirche mitten im Ort auch ein fest in der bürgerlichen Gemeinde verwurzelter Teil Niederstettens ist, bestätigte beim an das Pastoralamt anschließenden Empfang auch Bürgermeister Rüdiger Zibold.

Im inhaltlichen Anschluss an die Lesung aus dem Lukas-Evangelium, das vom Bericht der Emmaus-Pilger über ihre Begegnung mit dem Auferstandenen Christus an die kleine trauernde Urgemeinde erzählt, kennzeichnete der Weihbischof Gemeinde als eine Erzähl-, Tisch- und Zeugengemeinschaft.    

Gemeinde und Gemeinschaft sei lebendig im Weitergeben des Erlebten – auch in der Tischgemeinschaft, die das Christentum in der Kommunion feiert. Dass die alltägliche Tischgemeinschaft im ganz gewöhnlichen Alltag oft verloren geht, bedauert Renz: Viel Kultur, Austausch und gegenseitige Anteilnahme gehe dadurch mit verloren, denn Tischgemeinschaft gebe eben nicht nur Nahrung für den Magen, sondern durch den Austausch auch Nahrung für die Seele und fürs Miteinander.

Es gelte, die Erzähl- und Tischgemeinschaft auch draußen im Leben zu praktizieren, so Renz. Konstituierend für die christliche Gemeinde sei auch Zeugenschaft, wie sie etwa Mutter Teresa verstand: Die Ordensfrau, die sich in Kalkutta der Ärmsten angenommen hat, empfahl, nur dann über den Glauben zu reden, wenn man danach gefragt werde – aber so zu leben, dass man gefragt werde.

Nach dem von Kirchenchor und Bläsern unter der Leitung von Hermann Josef Beyer festlich gestalteten Pontifikalamt feierte die Gemeinde das Jubiläum im Gemeindezentrum weiter. Mit einem kurzen geschichtlichen Rückblick ordnete Kirchengemeinderat Adalbert Ruhnke den Bau historisch ein: Möglicherweise durch Bonifatius, vielleicht aber auch zuvor schon durch den Heiligen Kilian sei die Region – ausgehend von den beiden Urkirchen in Lauda und Oberstetten -  christianisiert worden. Früh entstand als Oberstettener Filialkirche ein erstes Gotteshaus am späteren Standort der Jakobskirche, die bis zur Reformation das einzige Gotteshaus in Niederstetten war.

In der Folge, so Ruhnke weiter, wurde die Stadt evangelisch - bis die katholischen Hatzfelder im 30-jährigen Krieg Schlossherren wurden. Sie errichteten die Schlosskirche, die auch unter den Herren von Hohenlohe-Jagstberg bis nach dem 2. Weltkrieg als Gotteshaus der katholischen Gemeinde diente. Durch den Zustrom von Flüchtlingen und Vertriebenen ab  1945  und durch den Zuzug von Bundeswehrangehörigen stieg die Zahl der Katholiken, die sich eine eigene Kirche wünschten.

Der Erwerb des Hofgarten-Areals war für die recht arme Gemeinde  schwierig – so schwierig, dass sie die fällige Grundsteuer nur mit Hilfe des Bistums bezahlen konnte. Der Bau der aus Betonfertigteilen errichteten Kirche erfolgte überwiegend ehrenamtlich – unter anderem mit engagierter Hilfe seitens der Bundeswehr, die die Bauarbeiten mit schwerem Gerät unterstützte, wie Niederstettens Bürgermeister Zibold in seinem Grußwort dankbar betonte. Zeitzeugen wissen weiteres: Auf der Baustelle, so ein Zeitzeuge, habe man immer wieder eine feste Gruppe angetroffen: Den Architekten, den Fürsten, den Pfarrer und den Standortkommandanten.

Der ordnete Soldaten als Bauhelfer ab; Standortangehörige  besorgten auch den Transport der vier Glocken. Eine von ihnen, die „Auferstehungsglocke“, hatte die evangelische Kirchengemeinde der katholischen Schwesterkirche gestiftet, in der Hoffnung, dass sich aus dem „Zusammenläuten“ ein „Zusammenkommen“ werde, wie die Chronik berichtet. 

Stadtpfarrer Rudolf Mayer seien Konzept und mach wichtige Verbindung zu danken, erinnern sich ältere Gemeindemitglieder: So habe Mayerer von einer Pilgerreise ins Heilige Land die Tabernakel-Rauchquarze vom Berg Sinai mitgebracht.

Auf das schlichte gotische Altarkreuz, das ein Ulmer Meister um 1450 für eine Franziskanerkirche gestaltet hatte, später außen an einem Bauernhaus eine Bleibe fand, verwies Ruhnke ebenso wie auf die ursprünglich in der heutigen Friedhofskapelle beheimatete gotische Madonna, eine Dauerleihgabe der Stadt Niederstetten. Zur alten Bildverkündigung gesellt sich im zeltartigen Gotteshaus Betonglaskunst des Baiersbronner Künstlers Günther Schmidt und der aus Ton gestaltete Kreuzweg der Koblenzer Künstlerin Edith Peres-Lethmate.

Bürgermeister Rüdiger Zibold überbrachte Grüße und Glückwünsche der gesamten Stadt Stadt,  Roland Silzle, Pfarrer der evangelischen Kirchengemeinde, rief den katholischen Mitchristen zu: „Gut, dass es euch gibt!“ Gut es es auch, nicht nur bezüglich der Bauten und des Geläuts in Sicht- und Hörweite beieinander zu sein.

Dem feierlich-frühlichen Jubiläum der Grundsteinlegung folgt bereits am kommenden Samstag ein weiteres Jubiläum: Dann feiert die Gemeinde im Rahmen eines besonderen Festkonzerts den 20. Geburtstag der Orgel, die an diesem Sonntag ihrem Dach überm Kopf gemeinsam mit den Bläsern, die auch schon bei Grundsteinlegung und Kirchenweihe musiziert hatten, Dank- und Jubelklänge widmete. 

©Inge Braune

Gelesen 1871 mal Letzte Änderung am 22. Feb. 2016