22. Jun. 2015

Bioenergiedorf Rüsselhausen

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9. H-O-T-Region-Bioenergiedorf

Rüsselhausen feiert Einweihung des Nahwärmenetzes

2. Niederstettener Bioenergiedorf gewinnt Heizenergie autonom  

24 Haushalte und das Dorfgemeinschaftshaus beziehen ihre Wärmeenergie aus der örtlichen Biogasanlage. Jetzt ist die Ortschaft mit ihren rund 140 Einwohnern ganz offiziell zum „Bioenergiedorf Rüsselhausen“ ernannt worden.

 Damit ist Rüsselhausen bereits das zweite  Niederstettener Bioenergiedorf, im gesamten Main-Tauber-Kreis das 5. - und in der Bioenergie-Region  Hohenlohe-Odenwald-Tauber, kurz H-O-T, Bioenergiedorf Nummer 9, wie H-O-T-Geschäftsführer Sebastian Damm bei der Einweihung des Nahwärmenetzes erläuterte.

Hoch zufrieden ist das Geschäftsführer-Trio Reinhold Pflüger, Annette Schindler und Herbert Wolfart, das die im Marz 2014 gegründete „Bioenergie Rüsselhausen GbR“ mit ihren 24 Gesellschaftern leitet. Der Weg zum Bioenergiedorf bedurfte eines Kraftaktes der gesamten Ortschaft: 1.670 Meter Leitungen wurden verlegt, dazu rund vier Kilometer Datenkabel und zwei Kilometer Leerrohre, um schon mal vorzubauen für den erhofften Anschluss an die Datenautobahn.

„In 80 Tagen um die Welt, das schaffen wir zwar nicht – aber dass wir in 85 Tagen ein Nahwärmenetz legen können, das haben wir gezeigt,“ so Bernd Andörfer von der Firma Steinbrenner, die die Leitungstrassen verlegte. Perfekt Hand in Hand gearbeitet hat die Firma mit dem  Sanitär- und Heizungsbaufachbetrieb Schülke, der etliche Hausanschlüsse realisierte.

Rolf Schülke und Bernd Andörfer schwärmten gemeinsam mit ihren Teams regelrecht von der reibungslosen Kooperation und den Mittagspausen im Bauwagen. Und sie ergänzten, dass der ganze Ort die Mitarbeiter aufgenommen habe. So eine herzliche Versorgung finde man selten.

Irgendwie wird es seltsam sein, wenn die Firmen nicht mehr im Ort arbeiten: „Man hätte die Jungs fast adoptieren können“, so Ortsvorsteherin und GbR-Geschäftsführerin Annette Schindler, in deren Privatwohnzimmer immer wieder Besprechungen bei Kaffee und Kuchen stattfanden.

Der Ort scheint seit den ersten Vorgesprächen im Niederstettener Rathaus und in Rüsselhausen selbst enger zusammengewachsen zu sein – und das trotz anfänglicher Sekpsis, wie sich  H-O-T-Geschäftsführer Damm erinnert. Wie es gelang, die Einwohner mitzunehmen auf dem Weg zum Bioenergiedorf, begeisterte auch Daniel Lindorfer von der REHAU AG. Der Rohrwerkstoff- und Dimensionierungsspezialist überreichte einen Originalrohr-Abschnitt: Damit kann man anschaulich machen, was ansonsten, da in der Erde steckend, nicht mehr zu sehen ist.

 Rohrstück

Damit man auch künftig noch zeigen kann, was unterirdisch die lokal erzeugte Wärme verteilt, überreichte Daniel Lindorfer dem Geschäftsführer der Bioenergie Rüsselhausen GbR Reinhold Pflüger ein Stück Originalrohr.

Ein kurzer Blick zurück: Auf die erste Bürgerversammlung im November 2011 folgte zeitnah eine Fragebogenaktion zur Ermittlung des Energiebedarfs im Ort. Ein Glücksfall war es, dass Fördermittel der Bioenergieregion die Finanzierung der Machbarkeitsstudie ermöglichten. Als die vorlag, sei die ehrenamtliche Arbeitsgruppe nicht mehr zu bremsen gewesen:

Wie hier die Ärmel hochgekrempelt wurden, verdiene „ganz große Anerkennung,“ so H-O-T-Geschäftsführer Damm. Keineswegs selbstverständlich sei es, dass sich eine Ortsgemeinschaft in der heutigen Zeit einer solchen Aufgabe stelle, die ja einige Jahre in Anspruch nehme.

Damms Fazit: Rüsselhausen habe „alles richtig gemacht, indem der Ort auf die Nutzung der Abwärme setzte.“ Wärme verbrauche immerhin rund zwei Drittel der Energie, es sei also ein sehr effizienter Beitrag zur Reduzierung des CO2-Ausstoßes geleistet worden. „Glück auf“ wünschte der Geschäftsführer der H-O-T-Region dem frisch gebackenen Bioenergiedorf, ehe er das neue Ortsschild „Bioenergiedorf Rüsselhausen“ offiziell überreichte.

 

Rüsselhausen 

Das Bioenergiedorf Rüsselhausen startet in die Zukunft – mit weniger CO2-Ausstoß und deutlich mehr Autonomie. Ortsschildübergabe - Einhellige Freude: Sebastian Damm, Geschäftsführer der H-O-T-Bioenergie-Region (Mitte), überreichte das neue Ortsschild.

Auf diesen Titel ist auch Bürgermeister Rüdiger Zibold stolz: „Mit der Gründung der Bioenergie Rüsselhausen GbR wurde ein Meilenstein gesetzt.“ Dass die Kommune selbst  nicht Gesellschafter werden konnte, liegt an der komplizierten  kommunalrechtlichen Gemengelage, die Städten zwar die Möglichkeit zur Mitgliedschaft in einer GmbH gibt, Mitgliedschaften in Gesellschaften bürgerlichen Rechts jedoch skeptisch beurteilt. „Es war uns wichtig, das Dorfgemeinschaftshaus ans neue Nahwärmenetz anzuschließen, auch um als Vorbild voranzugehen“, so Zibold, Bürgermeister einer Kommune, die als Modellstadt des Landes Baden-Württemberg für ganzheitliche Gemeindeentwicklung ein besonderes Augenmerk auf erneuerbare Energien setzt: Schule, Sporthalle und K.U.L.T werden mit Hackschnitzeln, das Rathaus mit Pellets beheizt, eine Freiflächenphotovoltaikanlage mit Bürgerbeteiligung und die energiesparende Umrüstung der öffentlichen Beleuchtung markieren ebenso wie das nunmehr zweite Bioenergiedorf Entwicklungsschritte.

Auch die Sparkasse Tauberfranken, die als Finanzierungspartner den Umbau zum Bioenergiedorf begleitete, überbrachte Glückwünsche:,Regionaldirektor Aleksander Dino Trslic gratulierte zum Unternehmermut. Gern unterstütze man auch als Bindeglied zwischen Gesellschaftern und Förderinstituten bei Vorhaben, die die Wertschöpfung in der Region halten.

Anschließend wurde die Einweihung im Gemeindehaus munter gefeiert, ganz so, wie sich's gehört,  wenn man zuvor so kräftig geschuftet hat.

 

Copyright: Inge Braune

Gelesen 2291 mal Letzte Änderung am 12. Apr. 2016