13. Feb. 2017

Ruhestand für Gerda Hopf

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Foto: Geschenkkorb, Blumen und ein „Hexenbesen“ - unter anderem fürs herbstliche Kastanienlaub - sollen Gerda Hopf den Abschied nach über 25 Jahren versüßen. Die Aufnahme zeigt (v.l.n.r.) Achim Striffler, Cornelia Sitzmann, Gerda Hopf und Bürgermeister Rüdiger Zibold.

 

Schulbauernhof Pfitzingen

Gerda Hopf wechselt nach über 25 Jahren in den Ruhestand

Fazit vorm Abschied: „Die Zeit ist wie im Flug vergangen“

 

Mit Sang und Klang, Geschenken, Blumen und gemütlichem Beisammensein des Schulbauernhof-Teams verabschiedeten die Mitarbeiter Gerda Hopf in den Ruhestand.

Der ist, ganz klar, verdient: Seit über 25 Jahren hat sie die Einrichtung tatkräftig und mit viel Herzblut begleitet; schon längst vor der Eröffnung gehörte sie dazu. Als wär' es gestern erst gewesen, sieht Gerda Hopf noch die allererste Schulklasse anreisen, die am 27. Januar 1992 hier ihr Quartier auf Zeit bezog, um ganz direkt mitzuerleben, wie Milch, Mehl, Fleisch, Obst und Gemüse erzeugt werden.

„Jetzt endet eine Ära,“ so Niederstettens Bürgermeister Rüdiger Zibold im Rahmen der kleinen Verabschiedungsfeier. Auf Wunsch von Gerda Hopf überreichte er ihr auch die Urkunde zum 25-jährigen Dienstjubiläum, die eigentlich schon im vergangenen Jahr ihre Adressatin hätte erreichen sollen, ebenfalls in diesem Rahmen. Gerda Hopf steht nicht gern im Mittelpunkt: Auch bei der Feier zu ihren Ehren mochte sie nicht den Platz am Kopfende der Tafel einnehmen.

Achim Striffler und Hauswirtschaftsleiterin Cornelia Sitzmann, die herzlichste Grüße von Schulbauernhofchefin Eva-Maria Rapp überbrachten – dass Grippeviren sie hinderten, selbst an der Feier teilzunehmen, wollte dieser ganz und gar nicht gefallen – blickten zurück auf ein Vierteljahrhundert einzigartiger Unterstützung des Schulbauernhofs.

1983 war sie aus dem Oberschlesien nach Pfitzingen gekommen: In Krappitz, einer Stadt im heute polnischen Landkreis Oppeln, war sie als Brigadeleiterin einer großen Schuhfabrik tätig gewesen. Gleich nach der Ausbildung hatte sie die Verantwortung für die Näherei mit ihren 70 Mitarbeiterinnen übernommen.

Rund ein Jahr nach ihrer Heirat konnte sie nach Pfitzingen umziehen – und als hier, direkt neben dem Hopfschen Wohnhaus, die Arbeiten zur Errichtung des Landes-Schulbauernhofs begannen, waren die beiden Kinder aus dem Gröbsten raus. Eine Schafferin wie Gerda Hopf konnte da nicht einfach zuschauen: Schnell packte sie mit an, sorgte im Notfall für die Vesper der Hilfsmannschaften, transportierte Strohballen, setzte die ersten Gurken- und Tomatenpflänzchen für den angehenden Selbstversorgerhof.

Klar, dass sie einstieg, als es so weit war. Und klar auch, dass man auf sie und die anderen drei Hauswirtschaftskräfte zählen konnte, als Schulbauernhofleiter Dieter Steinhilber krank wurde. Dass alle gemeinsam raus aufs Feld gingen, Rüben hackten und sich um die Kartoffeln und sonstige Feldfrüchte kümmerten, ist auch der Einsatzfreude und Motivationsfähigkeit von Gerda Hopf zu danken. Als der damalige Bürgermeister Finkenberger ihr kurzerhand für drei Monate die Leitung der Hauswirtschaft übertrug – einer muss es ja machen - , musste sie erst mal schlucken. Und machte. Oft genug gab es in dieser Zeit Doppelschichten. Hart war das – und gern hat sie es gemacht: „Ich hab's halt angesehen wie mein eigenes.“

Das haben auch die Lehrer und ihre Schulbauernhof-Klassen gespürt: wie oft sie mit mütterlicher Herzlichkeit über Heimweh hinwegtröstete, wie oft sie nachts vom Nachbarhaus herüberkam, wenn Unruhe in den Schlafräumen herrschte, wie oft sie „böse Jungs“ mit ihrer Fähigkeit, jeden beim Armdrücken niederzuringen, schwer beeindruckte, weiß keiner mehr zu sagen. Wenn's ganz arg wurde, fand sich so ein Bengel auch schon mal im Schwitzkasten wieder – und wurde notfalls abends von Gerda Hopf, die nicht nur von den Kindern, sondern auch von manchem Praktikanten als eine Art Zweitmutter angesehen wurde, mit Herzenswärme wieder aufgepäppelt.

Unendlich dankbar ist ihr das Schulbauernhof-Team; und umgekehrt auch sie dem Hof: Viele schöne Erfahrungen mit den jährlich bis zu 600 Kindern und den vielen Mitarbeitern und Praktikanten, auch denen, die längst schon ganz woanders sind, hat sie gesammelt – und mit einigen pflegt sie bis heute den Kontakt. In ihrer gelassenen, ruhigen, mit Herzenswärme und dem Mut zu klaren Worten gepaarten Art schaffte sie es, immer genau richtig auf die stets wechselnden Anforderungen zu reagieren.

Sie werde fehlen, betonten Sitzmann, Striffler und Zibold einhellig und bleibe glücklicherweise zumindest in der Nähe: Wenn Not am Mann sein sollte, dann dürfte Gerda Hopf wohl auch in Zukunft ihrer Hilfsbereitschaft kaum widerstehen- zum Beispiel, wenn wieder einmal eine besonders kreative Dekoration erforderlich sein wird. Das Team wünscht ihr „ein Kilo Glück und hundert Tage Sonne – und für den Lebensgarten stets Wasser in der Tonne.“

 

©IngeBraune

 

 

Gelesen 261 mal Letzte Änderung am 01. Mär. 2017