Geschichte

Postkarte der Stadt Niederstetten von 1950Ihre erste schriftliche Erwähnung fand die heutige Stadt Niederstetten im Rahmen eines Zehnstreits, den der 780 amtierende Bischof Wolfgar von Würzburg und das nahe gelegene Kolster Fulda miteinander ausfochten. In dessen Schenkungsbuch vermerkte Bruder Ratgar, dass der Benediktiner-Abtei die Abgaben der "Bauern von Niederstetten" zustehen.

Rund 400 Jahre später entstand auf einer Anhöhe über dem so bezeichneten Ort die Burganlage Haltenbergstetten, welche fortan eng mit der weiteren Geschichte Niederstettens verbunden sein sollte. Durch den 1340 erfolgten Verkauf des Gebäude-Komplexes erlangten die nachfolgenden Besitzer das Bann-, Stock- und Galgen-Recht auf dem Burggelände. Diese Privilegien wurden 1367 durch Karl IV. erneuert und auf den im Tal gelegenen Ort erweitert. Die nunmehrige Stadt Niederstetten entwickelte sich durch ihre Lage im Württembergischen Weinbaugebiet zu einem der bedeutendsten Winzerorte der Region.

Im Zuge lehens- und erbrechtlich bedingten Besitzerwechsels entstand auf den Überresten der Burganlage Schloss Haltenbergstetten, das während der nachfolgenden Jahrhunderte mehrfach um- und ausgebaut wurde. Wie bedeutet das Bauwerk und dessen Standort für die talwärts gelegene Stadt Niederstetten noch immer waren, beweist ein Eintrag im "Universal-Lexikon der Gegenwart und Vergangenheit": Das zwischen 1824 und 1836 von Heinrich August Pierer veröffentlichte Werk weist den Ort unter dem Namen des Schlosses - also Haltenbergstetten - aus. Im 19. Jahrhundert erlangte die Stadt Niederstetten durch die hier ansässigen Juden große Bedeutung als Standort des Pelz-, Wein, Textil- und Viehhandels sowie der industriellen Produktion von Diamanten. Diese Blütezeit endete mit der Machtübernahme durch die Nationalsozialisten. Im Laufe des darauffolgenden Zweiten Weltkrieges wurden der Ort und seine Umgebung zu rund 50% zerstört.


Nach einer umfangreichen Wiederaufbau- und Sanierungsphase erfolgte in den Jahren 1972 bis 1974 der sukzessive Anschluss von insgesamt neun umliegenden Gemeinden. Durch die Angliederung der Ortsteile Oberstetten, Pfitzingen, Vorbachzimmern, Rinderfeld, Wildentierbach, Adolzhausen, Herrenzimmern, Rüsselshausen und Wermutshausen bildet die Stadt Niederstetten den Hauptsitz von einer der zahlreichen Verwaltungsgemeinden des Main-Tauber-Kreises.